Mystetskyi Arsenal Kiew, Ukraine, 2008

Im Herzen der ukrainischen Hauptstadt Kiew soll in den nächsten Jahren ein neues kulturelles Zentrum entstehen. Der Wettbewerb umfasste einen Masterplan für die Entwicklung des ehemaligen Militärareals Mystetskyj Arsenal unter Einbeziehung eines Arsenalgebäudes aus dem frühen 19. Jahrhundert sowie den Entwurf neuer Gebäude für u.a. ein Konzerthaus, ein Museum für zeitgenössische Kunst und einen Kinokomplex. Das Projektgelände ist ein 9,8 ha großes Gebiet in Pechersk. Der Standort liegt 3,5 km südlich von Chreschatyk, der Hauptstraße Kiews, am Westufer des Dnipro River. Im Osten grenzt es an das Kiewer Höhlenkloster oder Kiewer-Pechersk-Lavra, einen alten Klosterkomplex, der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Die verschiedenen Hauptgebäude repräsentiert jeweils einen anderen Aspekt der ukrainischen Kultur. Gleich eigenständiger Persönlichkeiten innerhalb einer Gruppe formen die Gebäude den sie verbindenden öffentlichen Bereich. Dieser ist als Forum für die Öffentlichkeit gemacht, um im Sinne einer Definition von Kultur – als einer Eigenreflexion der Menschheit – als Ort der Zusammenkunft und Einkehr in Erscheinung zu treten. Ebenso wie die Idee des Forums und der Akropolis eine Reflexion der europäischen Kultur mit griechischem und römischen Ursprung ist, über den Piazza San Marco von Venedig bis zum Forum Fridericianum in Kassel, ist auch das Höhlenkloster in Kiew in dieser Weise mit der Maria-Himmelfahrts-Kathedrale, dem Glockenturm und seinen anderen Gebäuden konzipiert.

Das Projekt wird um den neuen Forumsplatz, der Mystetskyj Arsenal Platz, mit einer Reihe von kleinen Piazzas entlang der Wälle entwickelt und nutzt ihre konkav und konvex ausgeprägten Freiräumen zur Integration von Gebäuden und Landschaftselementen wie die Arena auf der Uspenskyj Bastion. Die historische Form des Verteidigungssystems wird in einen neuen Stadtpark umgedeutet. Der Grundriss des Hotels entspricht genau der historischen ‚Ravelin‘, während das Kinderzentrum und das Zentrum für die Kreativwirtschaft den Bereich der ‚Covered Way‘ nutzen sowie die ‚Glacis‘, um eine städtische obere Ebene mit Geschäften, Restaurants, etc. zu schaffen und eine grüne, intimere untere Ebene. Dies gilt auch für das Hotel, wo die
Funktionen wie Wellness und Spa im Untergeschoss mit Bezug zum umliegenden Grün integriert sind.

Um den sakralen Raum der Akropolis zu schaffen, wurden die drei historischen Zugänge neu definiert als Tor-Durchfahren, die eine Brücken-Situation schaffen. Dieser Punkt markiert auch den Anfang und das Ende der Panorama-Promenade auf den Stadtmauern und bildet gleichzeitig den Zugang zu dem bestehenden südlichen Pechersk Landschaftspark. Um die Kiewer Pechersk-Lavra und das menschliche Maaß einzuhalten, überschreitet das Projekt nicht das bestehende Traufniveau von ca. 18 Meter. Ausnahme bildet die durchsichtige ‚dome‘ des Zentrums für Ukrainische Musik mit ihren 27 Metern, die auch für die Unterbringung der Konzerthalle notwendig ist.

 

Architekt : Jan Kleihues und Klaus Schuwerk

Adresse : Ivan Mazepa St 28-30 Kiev, Ukraine

Auslober : The State Department of Affairs, Ukraine

Nutzung: Kultur- und Museumskomplex mit Kino und Konzertsaal

Wettbewerb : 2008, 4.Preis

BGF : 84.300 m²