Erweiterung Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) in Berlin-Mitte, 2019

Der Anspruch, das neue Dienstgebäude des Bundes als Leuchtturmprojekt für nachhaltiges Bauen zu konzipieren, verlangt nach Lösungen, die auf eine langfristige Akzeptanz treffen. Neben der Schaffung eines angenehmen und inspirierenden Arbeitsumfeldes wird dies durch das respektvolle Einordnen in den städtischen Kontext erreicht.

Der Baukörper bildet im Süden die Fortsetzung der Blockrandbebauung. Auf der Nord- und Ostseite entwickelt er durch das Zurücktreten hinter die Bauflucht und das Einschneiden von Höfen den Charakter eines Solitärs, der in einen landschaftlich gestalteten Raum eingebettet ist. Indem der Neubau den westlichen Abschluss des Vorplatzes vor dem Abgeordnetenhaus bildet, wird er auf besondere Weise im Stadtraum verankert und erhält eine selbstverständliche Adresse.

So wie die umgebenden Bauten, verlangt auch der Baumbestand nach einem respektvollen Umgang, insbesondere die alte Kastanie an der östlichen Grundstücksgrenze. Indem das neue Haus um diesen besonderen Baum „herumgebaut“ wird, entsteht ein Narrativ, das die Natur ins Zentrum stellt bzw. eine Symbiose mit der Architektur bildet. Die dicht begrünten „Oculi“, Lichthöfe und „Stanzungen“, die in jeder Etage das Thema der Wildnis, Natur und Biodiversität in Szene setzen, gleichen Miniaturwälder, die u.a. aus einheimischen Laubgehölzen bestehen, und repräsentieren grüne „Öko-Manifeste“.

Das Thema des Hofes, der die Natur einrahmt, wird auf das gesamte Gebäude übertragen. Die Höfe werden als grüne Oasen gestaltet, die aus jedem Büroraum sichtbar sind und schlecht belichtete Innenecken vermeiden. Das auf der Kreisform basierende geometrische Prinzip erzeugt ein ideales Verhältnis zwischen natürlich belichteten Außenzonen und unbelichteten Kernzonen, in denen die Vertikalerschließung, sowie Nebenräume untergebracht sind.

Indem das Motiv der Rundung auch auf die Mikroebene übertragen wird, soll der individuelle Ausdruck des Gebäudes unterstrichen werden. So bestehen die Fassadenpfeiler aus konvex gekrümmten Segmenten, deren Dichte, von unten nach oben zunimmt. Durch die besondere Plastizität in Kombination mit der mattglänzenden Oberfläche der recycelten Aluminiumbleche wird sich auf den Fassadenflächen ein ständig wechselndes Spiel aus Licht, Schatten und Farbe einstellen. Die leicht wirkende Obergeschosszone wird durch einen massiven, mit Natursteinquadern verkleideten Sockel kontrastiert. Der Sockel stellt eine Referenz zu den benachbarten überwiegend „steinernen“ Bauten her und verankert den Neubau auf natürliche Art im Stadtraum.

Die Obergeschosse sind in maximal 400m2– große Nutzungseinheiten untergliedert. Da nach dem Brandschutzkonzept keine notwendigen Flure ausgebildet werden müssen, können alle Flurtrennwände teilweise oder komplett entfallen und alle Bürokonzepte abgebildet werden. Die Grundrisse erfüllen somit in idealer Weise den Anspruch auf Flexibilität. Ein besonderes Highlight ist der als Dachpavillon konzipierte Sportübungsraum. Durch die Einbettung in die Dachlandschaft bestehen vielfältige Möglichkeiten, den Außenraum in die Trainingsabläufe einzubeziehen.

Architekt : Jan Kleihues und Johannes Kressner

Adresse :  Stresemannstraße/Erna-Berger-Straße/Niederkirchnerstraße, 10117 Berlin

Auslober: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA)

Wettbewerb : 12/2019, Anerkennung

BGF: 55.203

Nutzung: Bürogebäude mit Konferenzbereich und Kantine